Druckansicht - Sunday 19. May 2013

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"Vatileaks": Hausarrest und viele Fragen

 

Päpstlicher Kammerdiener in "provisorischer Freiheit" - Kathpress-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko

 

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Vatikanstadt (KAP) Die erste Runde in der Aufhellung des Vatileaks-Skandals ist abgeschlossen. Der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele, in dessen Wohnung die Gendarmerie vertrauliche Vatikanpapiere sichergestellt hatte, durfte am Samstagabend seine Haftzelle verlassen. Nach Abschluss der Ermittlungsphase und nach 60 Tagen Einzelhaft habe der vatikanische Untersuchungsrichter Piero Bonnet ihn in eine "provisorische Freiheit" entlassen und unter Hausarrest gestellt, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi mit. Bis auf weiteres und unter Auflagen darf er sich im Kreis der Familie in seiner Vatikanwohnung aufhalten. Über seine Kontakte - mit Ausnahmen einer seelsorglichen Betreuung - muss das Vatikangericht befinden.

 

Mit dem Abschluss der Ermittlungsphase haben die beiden Verteidiger des untreuen Butlers ihr Schweigen beendet und sich den Fragen der Medien gestellt. Ihr Mandant habe aus Idealismus gehandelt, aus Liebe zum Papst und um ihm zu helfen, betonte sein Jugendfreund und Rechtsbeistand Carlo Fusco. Gabriele habe allein agiert, er gehöre nicht zu einem Netzwerk oder zu einer vatikaninternen oder -externen Verschwörung, fügte er hinzu. Und kategorisch schloss Verteidigerin Cristiane Arru aus, ihr Mandant habe Geld oder sonstige indirekte Vergünstigungen erhalten. Gabriele habe sich in einer Stresssituation befunden. Er habe inzwischen genügend Zeit gehabt, um festzustellen, dass sein Vorgehen falsch war, so die Darstellung der Verteidiger.

 

Ob das das vatikanische Gericht auch so sieht, wird sich bald zeigen. In den nächsten Tagen wird Staatsanwalt Nicola Picardi seine Anklage gegen Gabriele vortragen - wegen schweren Diebstahls. Dann muss das Gericht entscheiden, ob ein Prozess gegen den Kammerdiener eröffnet wird - oder nicht. Verteidiger Fusco rechnet mit Ersterem.

 

Parallel zu den Ermittlungen der Justiz haben auch die drei vom Papst eingesetzten Kardinal-Kommissare ihre Arbeit abgeschlossen, gab Lombardi weiter bekannt. Kommissionschef Julian Herranz habe dem Papst seinen Bericht vorgelegt. Rund 30 Personen seien befragt worden, hieß es in Rom. Namen und Inhalt bleiben geheim. Ebenso geheim bleiben die Erkenntnisse und die Empfehlungen ihres Rapports.

 

Spekulationen gehen weiter

 

Daher gehen auch nach Ende der ersten Runde die Spekulationen weiter. Mit ihrer These vom idealistischen und reuigen Einzeltäter Gabriele ließen die Verteidiger bei der Pressekonferenz manche Fragen offen. Denn irgendjemand müsse den als gutmeinend und schlicht beschriebenen Kammerdiener auf die Spur gebracht haben, lauteten die Vermutungen. Wie und über wen kam der Kontakt zum Enthüllungs-Journalisten Gianluigi Nuzzi zustande, der die Papstpapiere schließlich als Buch herausgab? Auf welchen Wegen und in welcher Form wurde das brisante Material transportiert?

 

Vor allem italienische Medien hatten in den vergangenen Wochen breit über Motive, Mittäter, Mitwisser und Hintermänner des treulosen Butlers spekuliert. Mancher vermutete sie in Kreisen der alten Garde, in Widersachern des amtierenden Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Andere wollten unzufriedene Kurienvertreter am Werk sehen, die sich unter dem amtierenden Papst oder von seinen engeren Mitarbeitern ungerecht behandelt oder zurückgesetzt gefühlt haben könnten. Eine deutsche Zeitung deutete einen Zusammenhang zwischen Vatileaks sowie Rivalitäten, Neid und Missgunst unter einigen Kurialen an - und nannte dazu auch einige Namen. Ein Vorgehen, das Vatikansprecher Federico Lombardi als "unkorrekt" und "unverantwortlich" kritisiert. Es sei unverantwortlich, Personen ohne ausreichende Beweise bloßzustellen, nur weil man gegen sie ein Motiv finden könnte. Zudem seien manche der Behauptungen schlichtweg falsch, so der Sprecher.

 

Der Schlüssel für das weitere Vorgehen des Vatikan in Sachen Vatileaks liegt maßgeblich bei Papst. Er kennt den Bericht der drei Kardinal-Kommissare und wird seine Folgerungen daraus ziehen. Ein starkes Signal hat er bereits vor Beginn der Ferien zu Monatsbeginn gesetzt, als er dem in Fokus mancher Attacken stehenden Bertone sein vollstes Vertrauen aussprach - und damit bevorstehenden Rücktrittsspekulationen den Boden entzog. Wichtig wird zudem sein, wie transparent der Vatikan mit dem "Fall Gabriele" umgeht und wie intensiv er dessen Hintergründe ausleuchtet. Daher wäre es sicher wenig hilfreich, wenn die erste Runde des Verfahrens auch die letzte gewesen sein sollte.

 

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